Ich habe am 04.04.26 das Muzeul Militar Național „Regele Ferdinand I” – zu Deutsch: Nationales Militärmuseum „König Ferdinand I.” besucht. Es ist das bedeutendste Militärmuseum Rumäniens. Es befindet sich im Herzen von Bukarest an der Adresse Strada Mircea Vulcănescu 125–127, im 1. Bezirk der Hauptstadt.
| Gründung | 18. Dezember 1923 durch König Ferdinand I. |
| Adresse | Strada Mircea Vulcănescu 125–127, Sektor 1, Bukarest |
| Öffnungszeiten | Mittwoch–Sonntag 10:00–18:00 Uhr (saisonal variabel) |
| Eintritt | Erwachsene ca. 10 RON, ermäßigt ca. 5 RON |
| Sammlung | Über 1.300.000 Exponate (Uniformen, Waffen, Fahrzeuge, Kunst) |
Das Museum wurde unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg gegründet, um das militärische Erbe Rumäniens zu bewahren und der Nachwelt zu überliefern. Namenspatron ist König Ferdinand I. (1865–1927), der Rumänien durch den Ersten Weltkrieg führte und das Land zur Großmacht erhob. Das Museumsgebäude, ein repräsentativer Bau im Stil des Historismus, diente ursprünglich als Infanteriekaserne. Heute beherbergt es auf mehreren Etagen eine umfangreiche Sammlung vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Die Sammlung gliedert sich in mehrere thematische Bereiche: Fahrzeuge und Panzer, Artillerie, Uniformen und Ausrüstung, Waffen und Kleinfeuerwaffen, Flaggen und Standarten, Orden und Medaillen sowie Kunstwerke mit militärischen Motiven.
Besonders beeindruckend ist die Bandbreite der Panzersammlung: vom Ersten Weltkrieg (Renault FT-17, 1917) über den Zweiten Weltkrieg (Panzer IV, T-34) bis hin zu Kalter-Krieg-Modellen (T-55, BMP-1). Die rumänischen Streitkräfte nutzten zu verschiedenen Epochen Fahrzeuge aus Frankreich, Deutschland, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei, was die Sammlung außerordentlich vielseitig macht.
Aktuell (2025) befinden sich Teile des Außenbereichts wegen Umbauarbeiten am Dach einer Halle in Renovierung. Leider war so das Außengelände wegen Sanierung der Halle komplett für die Öffentlichkeit gesperrt. Ein Hinweis gab es im Internet darauf nicht. Besser ihr ruft vorher an und fragt. Nachfolgend die Exponate die wir entdeckt haben.
Skoda R-2 (LT vz. 35)
Der Skoda R-2 ist die rumänische Bezeichnung für den tschechoslowakischen Leichtpanzer LT vz. 35 (in Deutschland als Panzerkampfwagen 35(t) bekannt). Rumänien erwarb 1936 eine Lizenz und 35 Serienfahrzeuge sowie zwischen 1938 und 1940 weitere Fahrzeuge. Insgesamt verfügte die rumänische Armee über rund 126 R-2-Panzer, die im Zweiten Weltkrieg, vor allem bei der Ostfront, eingesetzt wurden.
Charakteristisch für den LT vz. 35 sind die genietete Panzerung, das pneumatische Brems- und Lenksystem, das Halbautomatikgetriebe sowie vier paarweise angeordnete Laufräder an Blattfederaufhängung. Der R-2 war mit einer 37-mm-Kanone vz. 34 und zwei 7,92-mm-Maschinengewehren bewaffnet. Trotz seiner anfänglich modernen Konstruktion zeigte sich im Russlandfeldzug 1941–42, dass er den sowjetischen T-34 und KW-1 unterlegen war.

Skoda R-2 (LT vz. 35), Seitenansicht
Renault FT-17
Der Renault FT-17 ist ein französischer Leichtpanzer aus dem Ersten Weltkrieg, der ab 1917 produziert wurde. Er gilt als Vater aller modernen Panzer: Als erstes Fahrzeug dieser Art verfügte er über einen vollständig drehbaren Turm auf einem separierten Rumpf sowie die noch heute übliche Anordnung mit Motor hinten, Fahrer vorne und Turm in der Mitte. Über 3.000 Exemplare wurden gebaut; sie dienten in zahlreichen Armeen bis weit in den Zweiten Weltkrieg hinein.
Rumänien erhielt FT-17-Panzer nach dem Ersten Weltkrieg und setzte sie bis in die 1930er-Jahre als Hauptkampfpanzer ein. Das Museumsexemplar ist in hellblauer Farbe gestrichen und trägt noch das originale Fabrikschild der Firma „Louis Renault, Billancourt-Seine” – ein seltenes, gut erhaltenes Dokument der Industriegeschichte. Der Tank wiegt nur 6,5 Tonnen und war mit einer 37-mm-Puteaux SA-Kanone oder einem 8-mm-Hotchkiss-MG bewaffnet (hier fehlend)

Panzer IV Ausf. J
Der Panzer IV war der meistgebaute deutsche Panzer des Zweiten Weltkriegs und diente von 1939 bis 1945. Er war für die Wehrmacht und mehrere Verbündete, darunter Rumänien, das Rückgrat der Panzertruppe. Rumänien erhielt zwischen 1943 und 1944 insgesamt 142 Panzer IV, vorwiegend der Ausführungen H und J, die mit der langen 75-mm-Kanone KwK 40 L/48 ausgestattet waren.
Der im Museum ausgestellte Panzer IV Ausf. J zeigt die typischen Merkmale der späten Ausführungen: den rechteckigen Rumpf, den oktogonalen Turm, die charakteristischen Schürzen und die seitlichen Abgasrohre. Das Fahrzeug befindet sich in einem stark verwitterten Erhaltungszustand – viele Anbauteile fehlen oder sind beschädigt –, was die schwere Nutzungsgeschichte dieser Fahrzeuge widerspiegelt.

Panzer IV-J, Frontansicht im Freigelände
T-34/85
Der T-34 gilt als einer der einflussreichsten Panzer der Geschichte. Die Variante T-34/85 wurde ab 1944 gebaut und war mit einer 85-mm-Kanone S-53 bestückt, die den früheren 76-mm-Kanonen deutlich überlegen war. Rumänien setzte den T-34/85 ab 1944 ein – zunächst innerhalb der sowjetischen Streitkräfte, nach Kriegsende auch in der rumänischen Volksarmee.
Der ausgestellte T-34/85 trägt das rumänische Kennzeichen „Н601″ sowie die rumänische Kokarde (Trikolore-Roundel in Blau-Gelb-Rot) auf der Turmseite. Dies deutet auf einen Einsatz in der frühen Nachkriegszeit der rumänischen Armee hin. Charakteristisch für den T-34/85 ist der vergrößerte, sechseckige Turm, der für die längere 85-mm-Kanone und eine dreiköpfige Turmbesatzung ausgelegt war.

SU-76M – Sowjetische Selbstfahrlafette
Die SU-76M (Самоходная установка 76 мм, Selbstfahrlafette 76 mm) ist eine leichte sowjetische Selbstfahrgeschütze (SPG) des Zweiten Weltkriegs. Sie basiert auf dem Chassis des leichten T-70-Panzers und ist mit einer 76-mm-ZiS-3-Kanone in einem oben offenen Kasemattenaufbau bewaffnet. Die SU-76M wurde ab 1943 in großer Stückzahl (etwa 14.300 Exemplare) gebaut und war das am häufigsten eingesetzte sowjetische Selbstfahrgeschütz.
Das Fahrzeug diente primär zur Infanterieunterstützung und Bekämpfung leicht gepanzerter Ziele. Rumänien erhielt SU-76M nach dem Kriegswechsel 1944 aus sowjetischen Beständen. Die Besatzung bestand aus vier Mann. Trotz der offenen Lafette war das Fahrzeug vielseitig und robust; es wurde nach Kriegsende noch in mehreren Armeen eingesetzt.

SU-76M, Selbstfahrlafette, Dreiviertelansicht
T-55
Der T-55 ist ein mittlerer Kampfpanzer sowjetischer Bauart, der ab 1958 produziert wurde und in der gesamten Warschauer-Pakt-Ära das Rückgrat zahlreicher Armeen bildete. Rumänien erhielt den T-55 ab dem frühen Jahr 1963 und setzte ihn bis in die 1990er-Jahre als Hauptkampfpanzer ein. Der Panzer ist mit einer 100-mm-Kanone D-10T2S bewaffnet und verfügt über ein konisches Turmprofil sowie einen kompakten Rumpf.
Hauptmerkmale: Besatzung 4 Mann, Gewicht 36 t, Panzerung bis 203 mm (Turm), Höchstgeschwindigkeit 50 km/h, Reichweite 500 km. Der T-55 gilt als zuverlässiges, einfach zu wartendes Fahrzeug, das weltweit in über 50 Armeen diente.

BMP-1
Der BMP-1 (Боевая машина пехоты, Kampffahrzeug der Infanterie) ist ein sowjetisches gepanzertes Infanterie-Kampffahrzeug, das ab 1966 produziert wurde. Er gilt als erstes Fahrzeug seiner Klasse weltweit und revolutionierte das Konzept des motorisierten Infanterieeinsatzes. Der BMP-1 ist mit einer 73-mm-Kanone 2A28 „Grom” und einem ATGM-Werfer für Panzerabwehrraketen (9M14 Maljutka) bewaffnet.
Rumänien beschaffte den BMP-1 in großen Stückzahlen für die rumänische Volksarmee im Rahmen des Warschauer Pakts. Das ausgestellte Fahrzeug trägt die rumänische Kokarde sowie das Kennzeichen „5GZ35″. Der BMP-1 fasst neben der dreiköpfigen Besatzung acht Infanteristen und ermöglicht deren Kampf auch von innerhalb des Fahrzeugs durch Schießscharten.

BMP-1 Schützenpanzer mit rum. Kennzeichen 5GZ35