Panzerung Teil 2 – Reaktivpanzerung

Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 wurden durch einen deutschen Ingenieur die Panzerwracks der T-54 und T-55 inspiziert. Er machte die Beobachtung, dass nicht alle HEAT-„Strahlen“ die Panzerung durch“geschossen“ hatten. Manche SABOT-Penetratorten hatten die Panzerung nicht durch“schlagen“ sondern hatten nur eine Eintrittsöffnung, aber keine Austrittsöffnung. Dies lag nach seinen Rückschlüssen daran, dass der heiße Gasstrahl des HEAT-Sprengkörpers auf im Innenraum gelagerte Munition prallte, diese explodierte und der HEAT-Strahl deswegen abgelenkt wurde. 1970 reichte der deutsche Ingenieur ein Patent auf die Reaktivpanzerung ein. Die Reaktivpanzerung besteht aus Plattenmodulen, ähnlich wie Tetrapaks, nur leicht gepanzert und mit Sprengmittel bzw. Explosionsstoffen (ERA) oder mit anderem nichtexplosiven Material (NERA) gefüllt. Diese sind an und auf dem Panzer um Turmseiten und Wannenfront angebracht, manchmal auch an der Blende von der Kanone. Bei einem Treffer durch HEAT-Hohlladungsgeschosse oder SABOT-Wuchtgeschosse explodiert ein oder mehrere getroffene ERA-Module und lenken das Geschoss ab. Die ERA-Module sind durch kleinkalibrige Waffen oder Schrapnell nicht zur Explosion zu bringen. Bei der NERA nimmt der Füllstoff des Moduls einen Teil der Durchdringungsenergie auf und verbeult sich. Der Penetrator oder der HEAT-Strahl werden abgelenkt oder so stark abgeschwächt, dass kein Durchschlag möglich ist. Die Reaktivpanzerung kann durch Tandemhohlladungsgeschosse bezwungen werden. Dies kann man sich wie einen Einschlag auf der genau gleiche Stelle vorstellen. Tandemhohlladungssgeschosse sind allerdings selten.

Reaktivpanzerung kann auf fast alle vorhandenen Panzerungen geschraubt werden und so den Fahrzeugen ein großes Maß an HEAT-Schutz verleihen.

T-80U mit ERA-Panzerung

T-80U mit ERA-Panzerung

Der russische T-80U verfügt zum Beispiel als Schutz vor SABOT-Geschossen über eine Stahl-, Komposit- und Reaktivpanzerung. Die verwendeten Plattenmodule der Reaktivpanzerung addieren eine effektive Plattenstärke die zwischen 50% und 100% des Kalibers moderner Penetratoren liegt, zwischen 9m und 40mm. Diese Panzerung kann auch HEAT-Durchschläge verhindern.Allerdings hat die Reaktivpanzerung auch Nachteile:

  • Erstens können die Behälterummantelungen „Granatenfallen“ bilden. Die Querschläger können zu anderen Bereichen des Panzers prallen, teils auch geradewegs zu den weniger stark geschützten Bereichen.
  • Zweitens, sobald ein ERA-Modul explodiert ist, verliert der Panzer in diesem Teil seinen Schutz, wobei ein Treffer an der gleichen Stelle sehr, sehr selten ist.
  • Drittens kann der Tank keine Ausrüstung und Männer außen neben ERA-Modulen transportieren.
  • Die Signatur eines Panzers mit Reaktivpanzerung erhöht sich.

Reaktivpanzerungen können an vielen Panzern nachgerüstet werden, nicht jedoch an leicht gepanzerten Fahrzeugen.

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