Panzerabwehr – ATGM

War die Panzerabwehr im Zweiten Weltkrieg meistens Hauptaufgabe von Panzern und Panzerabwehrkanonen sieht dies in der heutigen Zeit schon anders aus. Die Entwicklung von  ATGM (Anti-Tank-Guided-Missiles)  bzw. Panzerabwehr – Lenkflugkörpern hat der Infanterie höchst treffsichere und noch dazu reichweitenstarke Panzerabwehr – Waffen zur Verfügung gestellt. Hinzu kommt, dass diese Lenkflugkörper auch auf IFV (Infantry Fighting Vehicles) oder APC (Armored Personnel Carrier) montiert sind und damit einer Infanterieeinheit erheblich mehr Feuerkraft zur Verfügung steht als im Zweiten Weltkrieg.

Die ersten ATGM zur Panzerabwehr wurden Ende des Zweiten Weltkriegs erfunden, aber nicht in Serie hergestellt. So gilt die X-7 (Deckname „Rotkäppchen“) als erster Panzerabwehr-Lenkflugkörper. Die Lenkung erfolgte manuell über zwei Drähte und einen Miniatur-Joystick – das gleiche System wird auch heute noch, nur verbessert, eingesetzt. Die ersten modernen ATGM wurden ebenfalls mit einem Joystick und dazu einem Fernglas bedient.

Die Fluggeschwindigkeit war extrem langsam, die ganze Zeit über musste das Ziel im Fernglas bleiben und die Flugbahn auf dieser Sichtlinie liegen. Das erforderte eine ruhige Hand und starke Nerven denn den Standort eines ATGM-Schützen kann man durch den starken Raketenrückstoß einfach erkennen. Das sogenannte MACLOS (Manual Command Line of Sight) wurde durch ein teilweise automatisiertes SACLOS (Semi Automatic Command Line of Sight) ersetzt.

Das System verwendet einen Computer für die Flugbahn des Flugkörpers. Deshalb kann der Schütze sich ganz auf die Sichtline konzentrieren. Der Computer verändert automatisch die Flugspur der Rakete durch kleine Kurskorrekturen – solange der Schütze das Ziel im Visier hat. Standardmäßig werden diese Kurskorrekturen über ein oder zwei dünne Kabel, die sich aus der Rakete bis zum Startgerät abspulen, übertragen.

Mittlerweile gibt es aber auch schon Infrarot- und Funkverbindung zwischen Startgerät und Raketenantriebssteuerung. Fast alle ATGM´s beruhen auf dem HEAT-Sprengkopf. Die Durchschlagskraft variiert auf dem Schlachtfeld ganz erheblich zu den von unter optimalen Bedingungen genannten Daten der Hersteller. Häufigste Ursache ist, dass man – im Gegensatz zum Schlachtfeld – nicht genau parallel zur Panzerung des Feindfahrzeuges steht sondern versetzt, drüber oder drunter (von der Sichtlinie gesehen).

Die Konsequenz daraus ist, dass der Sprenkopf in unterschiedlichen Winkeln auf die Panzerung trifft und damit schwächere Durchschlagskraft zeigt als vom Hersteller vorgegeben. Panzerabwehr findet halt nie unter Idealbedingungen statt.

Panzerabwehr in den USA

Die USA benutzen zur Zeit die Systeme TOW, DRAGON und JAVELIN zur Panzerabwehr. Der JAVELIN löst gerade den DRAGON bei der US-Armee ab. Das (Tube-Launched Optically-tracked Wire-Guided bzw. Rohr-gestartet, optische Zielführung, Drahtsteuerung) ist seit 1970 im Einsatz bei der amerikanischen Armee. Seitdem ist das TOW das meist verbreitetste ATGM in der westlichen Welt: über eine halbe Million mal in mehr als dreißig Länder verkauft.

 

Panzerabwehr mit TOW

TOW – Tube Launched Optically Tracked Wire Guided Missile

Sie ist so konstruiert, dass man sie von fast jedem Fahrzeug aus abfeuern kann, selbst von einem Jeep oder einem Hubschrauber. Die Steuerung erfolgt über Doppeldraht und dem optischen Zielvisier – d.h. der Schütze muss nur das Ziel im Visier behalten. Startmotor und Sprenkopfantrieb verbrennen rauchlosen Fest-Treibstoff. Der Start eines TOW ist daher schwer aufzuklären, was die Überlebenschance der Schützen erheblich erhöht. Mit einer Minimalreichweite von 65m kann man die TOW auch im Nahkampf einsetzen. Leider dauert es aber auch knapp 20 Sekunden, bis die TOW ihre maximale Reichweite von 3750m erreicht mit 330m/s Mündungsgeschwindigkeit beim Start bei nur 1,6 Sekunden Antrieb. Nach Erlöschen des Antriebs gleitet der Flugkörper nur noch.

Von der TOW gibt es mittlerweile sechs Varianten bzw. Produktionsstufen. Am interessantesten sind die fünfte und sechste Variante: die TOW-2A (Sprengkopf BGM-71E) und die TOW-2B (Sprengkopf BGM-71F).

TOW-2A trägt einen 152mm-Sprengkopf der mit federgelagerter Nasenhülse und einem Tandemsprengkopf gegen reaktive Panzerung ausgerüstet ist und wurde 1988 eingeführt. TOW-2B ist ein Sprengopf, der über ein Ziel fliegt und mit nach unten gerichteter Explosion detoniert. Dies hat den Vorteil, dass die dünne obere Panzerung getroffen und meistens auch durchdrungen wird.

Der Panzerabwehr – Flugkörper trägt einen vollständig neu entworfenen Sprengkopf, der zwei EFP-Warheads enthält, die abwärts gerichtet sind. EFP´s (Explosive Formed Projectile = explosiv gebildete Geschosse) sind geformte Ladungen, aber sie benutzen eine Form im Rahmen eines konkaven Tellers anstatt eine tiefe konische Zwischenlage wie ein HEAT-Sprengkopf. Wenn der EFP-Sprengkopf detoniert, falten/stürzen sich die Ladungen in einen kompakten Metallklumpen ein, der in Richtung zum Ziel mit Geschwindigkeiten zwischen 2.000 und 3.000 m/s geschleudert wird. Der EFP-Metallklumpen kann nicht so tief wie ein HEAT-Strahl eindringen, aber das braucht er auch nicht aufgrund der dünneren Panzerung. Wenn er eindringt, verursacht das EFP eine viel größere Öffnung als ein HEAT-Strahl und dadurch mehr Beschädigung im Inneren des Panzers.

Das TOW-2B benutzt eine Doppelnahsicherung, um das Ziel zu ermitteln. Die Sicherung besteth aus einem Magnetmassedetektor, um große Massen von Metall zu finden und zusätzlich einnen kleinen Laserhöhenmesser um die Form des Geländes unter dem Flugkörper zu messen. Die Sprengladungen werden zur Detonation gebracht, wenn der Laser eine Form ermittelt, die typische gepanzerte Fahrzeuge darstellt, und der Magnetmassedetektor bestätigt, dass eine genügend große Masse Metall vorhanden ist. Leider kann das System nicht den Unterschied zwischen Freund und Feind oder zerstörten und aktiven Panzern unterscheiden.

Die amerikanische Armee benutzt zur Panzerabwehr auch noch den durch Infanterie benutzbaren/tragbaren DRAGON. Er hat viel Ähnlichkeit mit dem TOW aber auch einige wesentliche Unterschiede.

Panzerabwehr mit Dragon-S1

Dragon-S1

Der DRAGON ist eine Wegwerfwaffe, besitzt keine Lenkflossen und auch keinen Flugmotor um auf hohe Geschwindigkeiten zu kommen. Statt dessen ist ein Raketenmotor enthalten der beim Start das Tempo aufbaut. Bei windigen Verhältnissen oder bei schnellen und beweglichen Zielen kann der DRAGON durchaus aus dem Lenkbereich fliegen und ist damit unnütz.

Hinzu kommt, dass beim Start eine Menge Staub aufgewirbelt wird, eine Flamme und ab und zu auch kleine Blitzverbrennungen aus dem Raketenmotor zu sehen sind und man dadurch auf den Infanteriesoldaten schnell aufmerksam wird. Für eine Reichweite von 1.000 Meter braucht der DRAGON fast 12 Sekunden. Gepaart mit der geringen Durchschlagskraft ist diese Waffe nicht besonders gegen Panzer geeignet und genießt einen schlechten Ruf in der US-Armee.

Panzerabwehr mit Javelin

Javelin

Der JAVELIN dagegen ist eine wirklich hochentwickelte Fire-and-forget Panzerabwehr – Waffe die den DRAGON seit 1996 ablöst. Das System benutzt nicht die SACLOS-Steuerung sondern einen eingebauten Infrarotempfänger, der vollkommen autonom das Ziel anfliegt. Anfliegt deshalb, weil der Flugkörper auf einer Höhe von knapp 150m aufsteigt und dann von oben mit Steuerflossen auf die dünnere Panzerung eines Ziels zugleitet.

Natürlich ist es auch möglich Ziele, die von oben geschützt/versteckt sind, waagrecht anzufliegen. Mit einer Reichtweite von 2.500 m und einem 127mm-Hauptsprengkopf und einem zweiten Vorlaufsprengkopf gegen reaktive Panzerung, ist der JAVELIN eine wirklich gute Panzerabwehr – Waffe – die auch einen stolzen Preis hat.

Panzerabwehr im Video

 

 

         

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Kommandant

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