Tag - Krieg

Der Panzer ist tot – lang lebe der Panzer

Die Kernthese vorweg: Der Panzer ist nicht tot, aber die Art, wie mechanisierte Verbände kämpfen müssen, hat sich fundamental verändert. Das Schlachtfeld der Ukraine ist das transparenteste in der Militärgeschichte — und Transparenz tötet Manöver.


1. Das transparente Schlachtfeld vernichtet klassische Panzeroperationen

Die RUSI-Studien (Watling/Reynolds, 2023 und 2025) dokumentieren, dass jede sichtbare Bewegung auf dem Gefechtsfeld innerhalb von Minuten durch Drohnen erfasst und durch Artillerie, FPV-Drohnen oder Loitering Munitions bekämpft wird. Die Kombination aus dauerhafter feindlicher Beobachtung und Langstrecken-Präzisionswirkung führte dazu, dass Bodenverbindungslinien vorhersehbar und bekämpfbar wurden, sobald Truppen zu Offensivoperationen antraten — was das Tempo zum Erliegen brachte. RUSI Der Cornell-Professor David Silbey verglich das direkt mit dem Ersten Weltkrieg: Damals bestrafte jede sichtbare Bewegung ein Hagel aus MG- und Artilleriefeuer, heute sind es Drohnen — das Ergebnis sei dasselbe. Newsweek

Das bedeutet konkret: Eine Panzerkompanie, die im offenen Gelände vorrückt, wird innerhalb von 5–15 Minuten durch FPV-Drohnen, Lancet-Loitering-Munitions oder Artillerie erfasst. Aktuelle Analysen der Schlachtfeldverluste zeigen, dass Loitering-Drohnen mittlerweile 34% der Fahrzeugverluste verursachen, gefolgt von Panzerabwehrlenkwaffen (26%), Minen (20%) und klassischer Artillerie (12%). Army Recognition

2. Minen als strategische Waffe — die Rückkehr des Minenkriegs

Die russischen Verteidigungslinien 2023 (Surovikin-Linie) demonstrierten, dass Minenfelder in Kombination mit Überwachungsdrohnen und Artillerie mechanisierte Durchbrüche nahezu unmöglich machen. Die RUSI-Analyse der gescheiterten ukrainischen Offensive 2023 stellte fest, dass spezialisierte Pioniermittel (wie Minenräumfahrzeuge) durch Präzisionswirkung selbst auf taktischer Ebene extrem verwundbar wurden. Ohne diese Mittel gibt es keine Mobilität und damit keinen Raum für Manöver. RUSI Bei Robotyne berichteten ukrainische Einheiten von bis zu drei Minen pro Quadratmeter — eine Dichte, die selbst mit Minenräumwalzen nicht schnell genug zu überwinden war.

NATO-Lehre: Die Abhängigkeit von kleinen Flotten spezialisierter Pioniermittel ist nicht mehr tragfähig, wenn der Gegner spezifische Ziele innerhalb einer Formation identifizieren und in der gesamten Tiefe einer Operation bekämpfen kann. NATO muss die Dichte von Pioniermitteln massiv erhöhen oder Pionierfähigkeiten organisch in jede Plattform integrieren.

3. Kombinierte Waffenführung auf Brigadeebene — das eigentliche Versagen

Die CSIS-Analyse dokumentiert, dass die russischen BTGs (Battalion Tactical Groups) der Anfangsphase 2022 im Kern zu infanterieschwach waren: Rund 150 der Soldaten in einem BTG waren Unterstützungskräfte — deutlich weniger als in westlichen Armeen, wo auf jeden Kampfsoldaten zehn Unterstützungssoldaten kommen. Center for Strategic and International Studies Ohne ausreichende Infanterie konnten russische Panzerverbände urbanes Gelände nicht sichern, logistische Linien nicht schützen und wurden von ukrainischer leichter Infanterie mit Javelins und NLAWs systematisch zerlegt.

Aber auch die Ukraine scheiterte 2023 an der kombinierten Waffenführung: Der ursprüngliche Operationsplan sah 12 gepanzerte und mechanisierte Brigaden für einen Durchbruch auf 30 km Frontbreite vor, mit der Isolierung Tokmaks innerhalb von sieben Tagen. Dieser Plan wurde nicht umgesetzt — aufgrund operativer Fehler sowohl der Ukraine als auch ihrer internationalen Partner. RUSI Die RUSI-Studie identifizierte zwei kritische Entscheidungspunkte, die die westlichen Partner vor der Offensive verpassten.

NATO-Lehre: Combined Arms Maneuver auf Brigadeebene — das Zusammenwirken von Panzern, Panzergrenadieren, Artillerie, Pionieren, Flugabwehr, elektronischer Kampfführung und Drohnen in einer synchronisierten Operation — ist das Schwierigste, was eine Armee leisten kann. Die meisten NATO-Armeen haben diese Fähigkeit seit dem Kalten Krieg nicht mehr unter realistischen Bedingungen geübt. Die Ukraine hat gezeigt, was passiert, wenn man sie unter Kampfbedingungen improvisieren muss.

4. Panzer bleiben relevant — aber als Teil eines Systems, nicht als Speerspitze

Stephen Biddle (Foreign Affairs, 2023) und die RAND-Studie (2024) widersprachen der populären These vom Tod des Panzers. Der Krieg hat sowohl die Einführung und Massenadoption neuartiger Fähigkeiten (wie kleine unbemannte Flugsysteme) als auch die überraschende Persistenz älterer Systeme gezeigt. RAND Panzer bieten nach wie vor: direkte Feuerunterstützung, Schutz für abgesessene Infanterie, Schockwirkung bei Gegenstößen, und mobile Deckung in offenem Gelände.

Die Bradley M2A2 erwies sich als bemerkenswert überlebensfähig: Mehrere Videos zeigten Bradleys, die RPG-Treffer absorbierten und weiterfahren konnten, oft unter Drohnenüberwachung verwundete Besatzungsmitglieder evakuierend. Army Recognition

Aber: Panzer, die ohne Drohnenüberwachung, Flugabwehr, EloKa und Infanterieunterstützung operieren, sind Verbrauchsmaterial. Die russischen Verluste bei Awdijiwka (ca. 700 Fahrzeuge für eine Kleinstadt) und bei Wuhledar (130+ Panzer/SPz in drei Wochen) illustrieren dies drastisch.

5. Elektronische Kampfführung als Schlachtfeldentscheider

Die RUSI-Feldstudie 2025 identifiziert EloKa als eine der kritischsten Fähigkeiten: Software-definierte Systeme waren zwar entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Truppe, aber auch anfällig für gezielte elektronische Kampfführung. Dies galt besonders für Präzisionswirkung — der Gegner entwickelte im Laufe der Zeit harte Gegenmaßnahmen gegen Systeme wie Excalibur und GMLRS. RUSI Russland hat seine EloKa-Fähigkeiten im Kriegsverlauf massiv ausgebaut und kann mittlerweile GPS-gelenkte Munition, Drohnensteuerungen und Kommunikationssysteme gezielt stören.

NATO-Lehre: Jede Brigade braucht organische EloKa-Fähigkeiten — nicht nur zum Schutz eigener Systeme, sondern zur aktiven Störung feindlicher Drohnen. Die meisten NATO-Armeen sind hier dramatisch unterausgestattet.

6. Die sechs konkreten NATO-Lehren

Zusammengefasst aus RUSI, CSIS, RAND, NATO JALLC und der Felderfahrung:

Erstens: Masse schlägt Präzision, wenn Präzision gestört werden kann. NATO plant seit Jahrzehnten mit kleinen, hochpräzisen Kräften. Die Ukraine zeigt, dass in einem Abnutzungskrieg gegen einen gleichwertigen Gegner die industrielle Tiefe — Munitionsproduktion, Ersatzteile, Ersatzmannschaften — entscheidend ist. Die RUSI-Studie betont, dass Investitionen in die europäische Industriekapazität für Munition und UAV-Produktion aufrechterhalten werden müssen, da beide Fähigkeiten für die europäische Verteidigung kritisch sind. Rusi

Zweitens: Gegenaufklärung vor Manöver. Es besteht die Notwendigkeit einer wirksamen Gegenaufklärungsfähigkeit, um die dauerhafte feindliche Beobachtung der geplanten Vormarschachsen zu reduzieren. RUSI Ohne die Fähigkeit, feindliche Drohnen zu blenden, zu stören oder abzuschießen, ist jede Bewegung ein Todesurteil.

Drittens: Operationssicherheit bei multinationalen Operationen. Die OPSEC war unzureichend — Russland wusste genau, wo und ungefähr wann die Offensive stattfinden würde. Da diese mangelnde Sicherheit teilweise aus dem multinationalen Prozess der Offensivorganisation stammte, sollte dies von der NATO, die auf vergleichbare Prozesse angewiesen ist, sorgfältig untersucht werden. RUSI

Viertens: Dispersion und Dezentralisierung. Große Truppenansammlungen werden sofort erkannt und bekämpft. Mechanisierte Operationen müssen in kleinen, dispersierten Elementen geführt werden, die sich erst im letzten Moment konzentrieren — was extremes Vertrauen in Unterführer erfordert (Auftragstaktik).

Fünftens: Luftüberlegenheit ist keine Option, sondern Voraussetzung. Die Ukraine hat 2023 bewiesen, dass ein Durchbruch gegen vorbereitete Stellungen ohne Luftunterstützung praktisch unmöglich ist. Russlands FAB-Gleitbomben (1.500 kg) konnten ungestört jede ukrainische Stellung zerstören, weil die Ukraine keine Lufthoheit hatte. Für NATO bedeutet das: SEAD/DEAD (Suppression/Destruction of Enemy Air Defenses) muss jeder Bodenoperation vorausgehen.

Sechstens: Drohnen als organische Fähigkeit jeder Einheit. FPV-Drohnen sind die Handgranaten des 21. Jahrhunderts. Jeder Zug, jede Kompanie, jedes Bataillon braucht organische Drohnenkapazitäten — sowohl für Aufklärung als auch für Wirkung. Die industrielle Skalierung der Drohnenproduktion ist eine strategische Aufgabe.

Krieg in der Ukraine – Update

07.04.22
Wie geht es nun in der Ukraine weiter? Die russische Armee hat sich aus dem Norden um Kyiv zurück gezogen oder eher die Flucht ergriffen. Im Süden tobt immer noch die Schlacht um Mariupol und ein wichtiger Landkorridor zwischen Krim und Donbass scheint nun in der Hand der russischen Invasoren. Wie also kann die Ukraine nun vorgehen um die russischen Truppen aus den Stellungen zu werfen?

Die Ukraine sollte in einem relativ kleinen Gebiet schnell und regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg ein konzentriertes Wirken aller Einheiten einsetzen. Es reicht nicht aus, hier und da ein Artilleriegeschütz mit Drohnen abzuschießen oder sogar Artilleriefeuer mit Hilfe von Drohnen zu lenken.

Die Russen sind dabei eine moderne Version einer Human Wave Attack oder, um die RTS-Sprache zu verwenden, einen Tank Rush durchzuführen. Zumindest ist das ihre einzige durchführbare Option noch einigermaßen einen Kampf zu liefern. Russland hat nämlich weder subtilere Optionen zur Verfügung (da haben sie genug Mann und Material verloren) noch genügend Zeit. Es hat wahrscheinlich nur noch eine einzige Chance, die ukrainischen Verteidiger zu überrumpeln. Alles zu riskieren ist daher gar nicht so dumm, wie es vielleicht scheint, denn weniger zu riskieren wird wahrscheinlich nicht funktionieren und trotzdem zu vielen Verlusten auf Seiten der eigenen Truppen führen.

Dies ist die Art von brachialer Konzentration der Feuerkraft, die alle strategischen Analysten von Anfang an von Russland erwartet haben. Aber sie hatten zu viele Ziele und nicht genügend Kräfte für den Umfang der Operationen. Dazu kam ein Schlachtplan, der auf einer naiven Vorstellung vom Verlauf der Schlacht beruhte.

Die Russen werden wahrscheinlich ihre Artillerie einsetzen, um die ukrainischen Stellungen unter Beschuss zu nehmen. Dann werden sie versuchen, schwere Truppen direkt durch die Linien und nach Süden (manche sagen, nach Westen bis Dnipro), vorzustoßen, um in den Rücken der Ukrainer zu gelangen, die sich gegen die DLPR-Kräfte verteidigen. Die Entfernung, die benötigt wird, um eine erhebliche Störung zu bewirken, ist relativ kurz, was der Ukraine die Zeit nimmt, die sie braucht, um den Angreifer mit Präzisionsangriffen zu zermürben.

Was kann Ukraine dagegen tun?

Die Ukraine muss mit einem Vorschlaghammer auf die russischen Einheiten einschlagen, und zwar so lange, bis nichts mehr übrig ist. Sie muss so viel Artillerie und Luftabwehr wie möglich in das Gebiet westlich von Izium und Slovyansk bringen. Vorzugsweise um den Südwesten von Barvinkove. Alles wäre in Reichweite der russischen Truppen, die die Nebenstraßen (T-21-1 und T-22-2) nach Süden in Richtung Barvinkove nehmen, und so etwas wie Tochka-U wäre von dort aus in Reichweite von M-03, der wichtigsten Vorstoßroute der Russen nach Süden. Alle schwereren Mittel mit größerer Reichweite müssen in der Lage sein, den Brückenkopf von Izium südlich der bebauten Gebiete unter Beschuss zu nehmen.

Im Grunde genommen muss die Ukraine ein etwa dreieckiges Gebiet zwischen Izium, Barvinkove und Slovyansk zu einem riesigen Sperrgebiet erklären. Alles, was dort hinkommt, muss so nah wie möglich an Izium aufgehalten werden. Tut sie es nicht, wenn die ukrainische Armee die Russen hier nicht vernichtet, riskiert Ukraine eine schwere Niederlage.

Zusätzlich zur Artillerie müssen alle regulären und Panzerabwehreinheiten, westlich und südlich der Vernichtungszone in Stellung gebracht werden. Was auch immer dort nicht getötet wird, muss auf solide Verteidigungsanlagen treffen. Dann schließlich ein langsamer und stetiger Gegenangriff auf Izium von Westen her.

Unabhängig davon, wer gewinnt, wird diese Schlacht wahrscheinlich über das weitere Vorgehen entscheiden. Wenn die Ukraine diese Schlacht entscheidend gewinnt, hat Russland keine Optionen mehr. Verliert Ukraine die Schlacht, einschließlich bedeutender Kräfte vor Luhansk, kann sie immer noch gut davonkommen, wenn Russland mit Ausrüstung und Männern teuer bezahlen muss.

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Russlands Militär vor dem Kollaps

Ist Russlands Militär in der Ukraine am Ende?

Mehrere Anzeichen deuten daraufhin, dass Russlands Militär vor dem Zusammenbruch steht. Welche Anzeichen deuten daraufhin?

  1. Wir haben bereits einen Zusammenbruch der offensiven Fähigkeiten erlebt, s. vorherigen Post. Die Hinweise dafür sind seit längerem ersichtlich.
  2. Die Ursachen für den Mangel an Offensivfähigkeiten liegen in systematischen Fehlern innerhalb des russischen Militärs. Das ist nichts, was sich mit einer kleiner Feuerpause oder einem Waffenstillstand mal eben beheben ließe. Hier geht es um eine notwendige, grundsätzliche Reform des russischen Militärs und einer Abschaffung des kleptokratischen Systems.
  3. Das russische Militär hat viel Kampfkraft in Form von Soldaten, Material, Munition, Fahrzeugen und sogar ungefähr vier Generäle und mindestens sechs wichtiger Führungskräfte auf Brigadeebene verloren. Diese Verluste kann man nicht innerhalb weniger Tage ausgleichen.
  4. Die Ukraine wird nicht zulassen, dass Russland die Initiative zurückgewinnt, zumindest nicht tatenlos. Denn seien wir ehrlich. die Ukraine hat das Momentum der Russen gestoppt und ist nun im Besitz der Initiative.
  5. Immer mehr Hinweise tauchen auf, dass Russland zu wenig Material für eine Fortführung des Kriegs hat. Munition, Lebensmittel und Transportfahrzeuge für Treibstoff und Nachschub fehlen auf breiter Linie.
  6. Es gibt Hinweise darauf, dass die Moral der eingesetzten russischen Soldaten sehr niedrig ist.
  7. Die Sanktionen treffen den russischen Markt. Zucker und Weizen werden rationiert und es ist verboten, diese zu exportieren – sogar in die eigene Diaspora.

Können die russischen Streitkräfte eine neue Offensive starten? Eher unwahrscheinlich. Werden sie sich ergeben oder zurückziehen? Eher wahrscheinlich – mit dem Risiko von Giftgasangriffen und taktischen Nuklearschlägen.

Krieg in der Ukraine

Status

Nachdem aus dem von Putin beschworenen 2 Tagen Blitzkrieg gegen die Ukraine ein 18tätiger Kampf geworden ist, folgt hier die aktuelle Einschätzung zur Lage.

  • Die russischen Linien haben sich seit fast 2 Wochen nicht wirklich vorwärts bewegt. Ein paar kleine Vorstöße sind kein operativer Erfolg. Im wesentlichen also immer noch eine extrem schlechte Performance der russischen Armee.
  • Die ukrainische Armee hingegen ist in vielen Bereichen aktiver und dynamischer als in ihrer Vorkriegsbeurteilung. Sie hat die Lehren aus 2014 gezogen und sich zu einem Großteil auf dynamische Kampfführung mit leichter Infanterie gestützt.
  • Frei zugängliche Quellen über russische Verluste und die Art dieser Verluste deuten darauf hin, dass a) die russische Armee große Verluste hinnehmen musste. und b) die Ukrainer diese Verluste ausnutzt.
  • Die russische Verhandlungsposition ist schlechter geworden. In den Verhandlungen wurde aus völliger Unterwerfung der Ukraine unter Russland eine”wir behalten Donbass und Krim und ihr tretet nicht in die NATO ein” Position. Dies deutet auf eine wesentliche Schwächung der russischen Position hin. Sie wird sich warscheinlich noch weiter verschlechtern.
  • Russland hat China um Hilfe gebeten. Ein schwerer Gesichtsverlust für Putin.

Die Ukraine wird angegriffen

Seit dem 24.02.2022 wird die Ukraine durch den Nachbarstaat Russland angegriffen. Inzwischen wird das Lagebild etwas klarer, was mich dazu bewegt ein paar Sätze zu den militärischen Operationen zu schreiben.

Seit Ende November 2021 hat die OSINT-Gemeinde auf den Aufmarsch russischer Truppen und Luftverteidigungseinheiten an die ukrainische Grenze hingewiesen. Die Geheimdienste der USA haben seit spätestens Dezember vor der Truppenansammlung gewarnt und eine Invasion der Ukraine als extrem wahrscheinlich angesehen.

Russland hatte die Volksrepubliken Donezk und Luhansk (DNR und LNR) zum 21.02.2022 anerkannt und in der gleichen Nacht Truppen nach Donezk und Luhansk entsendet. Der russische Präsident Wladimir Putin begann am 24. Februar eine groß angelegte Invasion in der Ukraine, die wahrscheinlich auf einen vollständigen Regimewechsel und die Besetzung der Ukraine abzielt. Sein behauptetes Ziel, die Ukraine zu „entmilitarisieren“ und zu „entnazifizieren“, ist ein durchsichtiger Deckmantel für einen nicht provozierten Angriffskrieg zur Besetzung eines Nachbarstaates. Putin und die Kreml-Medien leugnen nach wie vor, dass es sich bei der russischen Invasion um einen Krieg handelt, und bezeichnen sie stattdessen als eine spezielle Militäroperation.

Die erste Woche sah eine russische Armee, die auf allen Ebenen versagte. Luftüberlegenheit wurde nicht erlangt, schlecht ausgebildete Wehrpflichtige wurden über den Kriegsgrund im Unklaren gelassen und die Angriffe mit Marschflugkörpern auf Luftverteidigungssysteme, Radarstationen und Flugplätze waren nicht präzise genug um sie komplett auszuschalten. Hinzu kam ein Logistikversagen epischen Ausmaßes. Enorme Verluste an rollendem Material entstanden durch Treibstoffmangel und fehlender Bergung der liegengebliebenen Fahrzeuge. Reifen von Luftabwehrfahrzeugen Pantsir (Wert 15 Millionen Euro) waren nicht gewartet und waren dem schlammigen Gelände nicht gewachsen. Nachschubkonvois stauten sich auf 40km Länge. Währenddessen wurden diese durch Drohnen- und Kommandoangriffe teilweise außer Gefecht gesetzt.

Neunzig Prozent der vorher an der Grenze zusammengezogenen Truppen sind im Einsatz.

https://twitter.com/L_Team10/status/1496866074981134340

Die vier ausgemachten Angriffsbemühungen der Russen sind wie folgt:

Hauptvorstoß auf Kiew: die russischen Operationen auf der Kiewer Achse bestehen daraus, die Stadt von Westen her einzukesseln und einzuschließen, sowie aus unterstützenden Anstrengungen entlang der Tschernihiw- und Sumy-Achse, um die Stadt von Nordosten und Osten her einzukreisen. Russland hat bis zum 3. März noch keine Luftüberlegenheit über der Ukraine erlangt. Russland mobilisiert wahrscheinlich Verstärkungen, um seine bestehende Achse gegen Kiew von Nordwesten her zu unterstützen. Die russischen Streitkräfte versuchten am 3. März nicht, die Städte Tschernihiw oder Sumy anzugreifen, sondern umgingen die Stadt und rückten auf die Außenbezirke von Kiew vor.

Unterstützungseinsatz 1 – Charkiw: Die russischen Streitkräfte werden wahrscheinlich versuchen, Charkiw in den nächsten 24-48 Stunden einzukesseln, was ihnen jedoch mit den für die Operation bereitgestellten Kräften nicht gelingen dürfte. Die russischen Streitkräfte werden wahrscheinlich versuchen, Charkiw einzukreisen und zu umgehen, bevor sie es bombardieren, um eine Kapitulation zu erzwingen.

Unterstützungseinsatz 2 – Mariupol: Die russischen Streitkräfte haben Mariupol seit dem 2. März vollständig eingekreist und führen eine gezielte Kampagne zur Zerstörung wichtiger ziviler Infrastruktur und Wohngebiete durch, um die Stadt wahrscheinlich zur Kapitulation zu zwingen.

Unterstützungeinsatz 3 – Cherson und Vorstöße nach Westen: Die russischen Streitkräfte sicherten sich am 2. März die ausgehandelte Kapitulation von Cherson und setzten am 3. März ihre Vorstöße in Richtung Mykolajiw fort, einschließlich einer gescheiterten Landung aus der Luft. Den russischen Streitkräften wird es wahrscheinlich schwer fallen, die Ressourcen für drei gleichzeitige Vorstöße von der Krim aus – Mikoajiw, Saporischschja und Mariupol – vollständig zu nutzen. Seit dem 1. März haben die russischen Streitkräfte keine territorialen Vorstöße in Richtung Saporischschja gemacht.

In den nächsten 24 Stunden wird mit einer amphibischen Landung bei Odessa gerechnet.