Panzerabwehr – Infanterie vor!

AT4 - M136

Panzerfaust und Bazooka als Panzerabwehr

Die Panzerabwehr entstand aufgrund des Ersten Weltkriegs. Denn Panzer veränderten die Kriegsführung seit dem Ersten Weltkrieg. Der Grabenkampf konnte durch die „Tanks“ durchbrochen werden und der Infanterist schaute zu, wie diese Ungetüme über die eigene Stellung rollten, scheinbar ohne Möglichkeit einen Panzer bekämpfen zu können. Gegen Panzer halfen nur Panzer, schien es. Weit gefehlt. Die Infanterie wurde schnell mit Panzerabwehr – Waffen ausgerüstet.

Panzerabwehr gegen Sturmpanzerwagen A7V - 1.Weltkrieg

Sturmpanzerwagen A7V - 1.Weltkrieg

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs kamen erstmals die panzerbrechenden Tankgewehre auf, sogenannte Panzerbüchsen. Im Grunde genommen handelte es sich um großkalibrige Gewehre mit panzerbrechender Munition. Die Panzerung wurde allerdings immer dicker und härter und Panzerbüchsen konnten diese nicht mehr durchschlagen. Zwischen den beiden großen Kriegen ging die Entwicklung neuer Panzerabwehr – Waffen langsam voran. Panzerabwehr – Kanonen und Hohlladungsgeschosse wurden entwickelt um Panzer zu bekämpfen. Reaktive Panzerbüchsen die Hohlladungen verschossen, wurden Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt. Die deutsche Panzerfaust, der Panzerschreck und die amerikanische Bazooka gelangten so seit 1943 zu ihrem Ruf, Panzer wirksam bekämpfen zu können.

Und tatsächlich verlagerte sich der Vorteil des Panzers mehr ins Gleichgewicht zwischen Panzer und Panzerabwehr. Vorbei waren die Zeiten in denen Panzer die Infanteriestellungen einfach „niederwalzen“ konnten. Die einfache Infanterie konnte nun auf nahe Entfernung (bis 100m) Panzer wirksam bekämpfen. Der Panzer war wieder verwundbar geworden. Um Panzerabwehrtrupps niederzuhalten rückte auch verstärkt Infanterie mit den Panzern vor. Panzerabwehr ist damit essentiell in einer Combined Arms Unternehmung.

Moderne Panzerabwehr

Moderne Infanterie trägt eine Vielzahl kleiner kompakter Panzerabwehr – Waffen bei sich. Obwohl die HEAT-Sprengköpfe (Hohlladung) dieser Waffen normalerweise zu klein sind um die Frontpanzerung durchschlagen zu können, ist es durchaus möglich die dünneren Seitenwände oder die Rückseite eines unvorsichtigen Panzers zu durschlagen. APC´s oder IFV´s sind immer gefährdet da die Panzerung dieser Fahrzeuge relativ schwach ist. Größter Faktor bei Infanterie – Panzerabwehrwaffen ist die Feuerkontrolle. Sie basiert auf dem unter Stress stehenden Infanteristen und seiner wackligen Schulter bzw. seinen Armen.

Hinzu kommt, dass die wirkungsvolle Panzerabwehr nur auf einige wenige Hundert Meter begrenzt ist. Mittlerweile sind semitautomatische und automatische Feuerkontroll-Minisysteme auf dem Vormarsch und diese verbessern die Erfolgssaussichten wesentlich.

Panzerabwehr - AT4 - M136

AT4 - M136

Amerikanische Infanterie benutzt z.B. das rückstoßfreie M136 (besser bekannt als AT-4) mit einem 84mm-HEAT-Sprengkopf. Es hat eine Mündungsgeschwindigkeit von ca. 220m/s und hat eine effektive Reichweite von ca. 300m – allerdings nur gegen stationäre Ziele.

Das M136 kann keine Frontpanzerung durchdringen. Als Wegwerfwaffe konzipiert, wird das Geschoss abgefeuert und die Abschussvorrichtung weggeworfen, damit die Infanterie einen Positionswechsel durchführen kann.

Die deutsche Infanterie benutzt ein wesentlich hoch entwickelteres Panzerabwehr – System – die Panzerfaust 3 (PzF 3) – welche seit 1990 benutzt wird. Die Panzerfaust 3 wird von der Schulter abgefeuert und ist ebenfalls rückstoßrei.

Panzerabwehr - Panzerfaust 3

Panzerfaust 3

Das Geschoss bzw. die Rakete ist das DM1A1 mit einem 110mm-HEAT-Sprengkopf. Der Raketensprengkopf ist viel größer dimensioniert als das Abschussgerät und wird vorne bis zum Anschlag eingeführt. Folge ist, dass noch größere Sprengköpfe benutzt werden können, ohne dass man auch ein neues Abschussgerät benötigt.

Die Verbesserung heißt PzF 3T und besitzt zusätzlich einen Abstandssprengkopf um reaktive Panzerung durchdringen zu können. Dieser Typ des Sprengkopfs streift die erste Ladung einer vorhandenen reaktiven Panzerung beiseite und die Hauptladung dann die Hauptpanzerung – es sind zwei hintereinander angeordnete Hohlladungen, auch Tandem-Ladung genannt.

Intelligent ist auch das Problem des Abgasstrahls beim Abfeuern aus dem Abschussgerät gelöst: im hinteren Bereich des Staurohrs sind Plastikstreifen zusammengepresst. In Mitte des Abschussrohres ist ein Kolben angebracht der beim Abschuss zurückgestoßen wird und ein Gegengewicht in Form von Plastikspänen auswirft. Dies hat den Vorteil, dass der Schütze nicht durch den Flammenstrahl gesichtet werden kann und selbst in engen Räumen schießen kann. Der Raketensprengkopf rast mit einer Mündungsgeschwindigkeit von ca. 160m/s aus dem Anschussgerät heraus und wird durch den Flugmotor auf eine Geschwindigkeit von ca. 240m/s gebracht. Das System besitzt eine gute optische Zielvorrichtung und soll auf eine Entfernung bis zu 300m gute Ergebnisse bringen.

Die tödlichste russische Panzerabwehr – Waffe ist das RPG-29 welche von BMP-2-Zügen seit den 90ern benutzt wird. Es ist ein Bazooka-ähnliches Raktenabschussgerät mit einem vorgerückten 105mm-HEAT-Sprengkopf.

Panzerabwehr - RPG 29

RPG 29

 

Ebenfalls gegen reaktive Panzerung tauglich hat die RPG-29 eine Mündungsgeschwindigkeit von 280m/s und eine maximale effektive Reichweite unter 450m. Es ist eine der besten Panzerabwehr – Waffen für die Infanterie und hat schon viele Einsätze in den innerrussischen Konflikten in Tschetschenien und Georgien gesehen.

Die RPG-7 ist zwar schon etwas älter aber auch sehr zuverlässig. Auch hier wird das Prinzip eines Gefechtkopfes benutzt, der größer ist als das Kaliber des Abschussrohres. Dies erlaubte es, die RPG-7 über Jahrzente hinweg anzupassen und mit stärkeren Sprengköpfen auszustatten.

Panzerabwehr - RPG7 - Irak

RPG7 - Irakischer Soldat

Ausgestattet ist die PG-7L-Rakete mittlerweile mit einem 93mm-HEAT-Sprengkopf, der eine wesentlich bessere Durchschlagskraft entwickelt als die älteren 70mm- und 73mm-Sprengköpfe. Die Mündungsgeschwindigkeit der Rakete beträgt 112m/s – danach wird sie durch den Antrieb auf ca 300m/s beschleunigt. Die Reichweite beträgt knapp 300m – allerdings geht dies auf Kosten der Genauigkeit. Das RPG-7 kann mit weiteren Sprenköpfen ausgestattet werden, auch mit Tandem-Ladungen oder Splittergranaten.

Daneben besitzen die russischen Streitkräfte seit 1989 die Wegwerfeinheit RPG-27. Dies ist einfach eine Wegwerfabschussrampe mit einem RPG-29 105mm-HEAT-Sprengkopf. Die Reichweite liegt bei ca. 150m. Dies liegt unter anderem daran, dass das Abschussgerät technisch einfach nicht effektiv ist, da es als Einwegwaffe konzipiert ist und nach dem Abfeuern weggeworfen wird.

 

                  

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